Ungeduldig werdender wartete ich in der Tür des ICN Richtung Jura Südfuss. Inzwischen konnte ich den Türschalter durch gezielten Fingerdruck selbst betätigen und damit die Tür nachhaltig daran hindern, sich zu schliessen. Dies hatte zwar zur Folge, dass der Lokführer erst nach vorheriger Rücksprache mit mir abfahren konnte, zu meiner Beruhigung kam es jedoch nicht soweit. In letzter Sekunde sprang chb aus der Unterführung und wir verwendeten die Zeit bis Aarau dazu, ein Verhaltens-Szenario für ebensolche Situationen zu entwerfen.

Zunächst musste der vom Cisalpino arg gebeultete chb aufgepäppelt werden. Mit einem GPS in der Hand keine einfache Aufgabe, denn überall lauern Ablenkungen in Form von Caches:
Wie die Newbies machten wir uns am Aarau underground zu schaffen. Erst die falsche Seite abgeklappert, dann die falschen e’s gezählt, Teenies im Zielgebiet, aargh! Also wurde die gründliche Suche kurzerhand nach die besagte Aufpäppelung geschoben.
Auf dem Weg in die Altstadt gabs einige Flashbacks aus chbs bisherigem Arbeitsleben („Was soll das, sie Null, schicken sie chb endlich die Unterlagen, äh aha, sind Sie das chb?“) und vieles zu entdecken. Aarau ist ja die Stadt der kreativen Wanderwegzeichen-Hersteller: Keiner gleicht dem anderen, jeder ein Unikat, ihre abstrakte Kalligraphie mit figurativen Verfestigungen unterstützt ihren surrealen Ursprung in gekonnter Art und Weise. Vorbei am alten Stadtbach, der sich jederzeit in eine tödliche Betrunkenenfalle verwandeln kann, gelangten wir auf ziemlich verschlungenen Wegen (siehe Karte) zum Aussichtspunkt neben der Kirche. Hinter der Altstadt erhob sich – bitte ankreuzen – unsere Lösung für alle Energieprobleme / der strahlende Teufelsschlot. Vom nahen Alternativbeizli aus beobachteten wir mit einem K-Bierchen in der Hand das Spiel zweier Einheimischer. Die nächste halbe Stunde verbrachten wir damit, die Kubb-Regeln aus dem Gesehenen abzuleiten, was uns recht gut gelang.
Schliesslich machte sich ein Hüngerchen in unseren Bäuchen breit und so installierten wir uns vor dem Restaurant Zunfthaus. Der mexikanische Food war gut, die Gespräche angeregt wie immer. Obwohl man sagen muss, dass des Beizers Räubergeschichten teilweise chb den Fokus – aber nicht die Show – stahlen.
Weil wir die (heute hier rückwärts fliessende) Aare auch noch sehen wollten, entschieden wir uns für einen Spaziergang zum Kraftwerk. Aarau bietet (überraschend?) viele kleine Oasen, an denen man es sich gut gehen lassen kann und die sich jetzt, bei einsetzender Dämmerung, schnell mit Leuten füllten. Die Altstadt ist verwinkelt und sympathisch. Zum Glück konnte ich chb gerade noch daran hindern, alles der Abrisskugel zu übergeben. Angekommen auf der Insel machten wir uns im Brummen der Generatoren daran, den First found first log Cache zu finden. Das Versteck war obvious aber mit einer dicken Schraube gesichert. Gewöhnt an die Drück-plopp-surr-wegschieb-fauch-und-trockeneisversprüh-Cacheverstecke Zürichs kamen wir trotzdem lange nicht drauf. Na ja, nichts wie zurück ins Städtli…
Und zwar in die Gleateria! Klar, dass wir uns nachher hinreissen liessen, uns noch einmal am Aarau underground zu versuchen. Folge daraus ist a) ein weiterer unerklärlicher Schlenker auf dem Track oben und b) kein weiterer Cachefund. Im Zielgebiet hielten sich immer noch die Youngsters auf. Diese hätte ich mit der Securitas-Maglite zwar easy verscheuchen können, aber schliesslich war‘s ja auch schon gefährlich spät und so liessen wir sie in Ruhe (und sie uns, uff).
Vorbei am scharfen Schliessfach-Wächter und am Gleis Null schafften wir es noch auf den IR 23:14, der von Burgdorf kommend einen verschlafenen blinden Passagier mitführte. Und weil die exzessive Akkumulation von Fremdwörtern intellektuelle Kompetenz suggeriert, schlage ich hier die Parabel zum Titel des Berichts: Kurz vor Zürich passierten wir doch tatsächlich zweimal den Bahnhof Schlieren!